Ganze Landstriche unter Wasser, Dörfer überflutet, Häuser zerstört: Das Hochwasser hat vor allem an Elbe und Donau enormen Schaden angerichtet. Viele Menschen haben fast alles verloren – nur ihre Zuversicht nicht. – SPIEGEL zum Hochwasser 2013
Wer 2002 und dann nochmal 2013 die Nachrichten von seinem trockenen Sessel aus verfolgte, sah überschwemmte Städte. Menschen, die um ihr Hab und Gut und nicht wenige auch um ihr Leben und das ihrer Haustiere kämpfen mussten. Man sah schwimmende Autos, Gebäude, die nur noch mit der Spitze hervorschauten und – so man nicht zu den Betroffenen gehörte – wertschätzte man plötzlich das eigene trockene Zimmerchen, wie nie zuvor.
Diese Flut, an deren Bilder ich mich wirklich erinnere, war plötzlich so dicht an allem, was ich kannte, so großflächig und sie betraf so viele Menschen, dass ich es mir damals im Jahre 2002 als 12-jährige vor dem Fernseher kaum richtig vorstellen konnte. Auch Jahre später, 2013 hat sich dieses Gefühl kaum verändert. Man kam sich irgendwie machtlos vor, genau wie bei den Katastrophen-Berichten aus anderen Ländern. Nur, dass das hier viel näher war.
Wenn ich Katastrophen wie diese im Fernsehen oder Internet sehe, dann passiert es mir leicht, dass ich nur an die privaten Haushalte denke, nur an die Menschen und ihr Heim – doch was ist eigentlich mit den Arbeitsplätzen? Mit den Geschäften, Hotels, Arztpraxen, Restaurants und so vielen anderen, die durch ihre Dienstleistungen und geöffneten Türen einen Ort erst lebendig machen?
Im Hotel Elbresidenz in der sächsischen Schweiz hat der technische Direktor Axel Hausmann sich Zeit genommen, mit mir über das Thema zu sprechen und mir all jene Vorkehrungen zu zeigen, die dafür sorgen sollen, dass das Hotel bei der nächsten Flutkatastrophe den geringsten möglichen Schaden davon trägt.
Das Hotel Elbresidenz – eine Flutkatastrophe und ein Versprechen
Im Jahr 2013 wurde das Hotel Elbresidenz durch die Flutschäden zur Schließung gezwungen. Das Wasser strömte mit einer Wucht nach Bad Schandau ein, die vieles mit sich riss und eine schlammige Zerstörungsgeschichte schrieb. Noch heute sieht man die Hochwassermarken an vielen Gebäuden in Bad Schandau. Wer in Bad Schandau wissen will, ob neues Hochwasser droht, der schaut nach Tschechien, wo es hervorragende Frühwarnsysteme gibt und das Wasser steigt, bevor es Deutschland erreicht.
“Es hätte sogar noch viel Schlimmer kommen können, wenn die Kollegen in Tschechien nicht so hart dafür gearbeitet hätten, das Wasser so zu verteilen, dass der viel zu hohe Pegelstand überall wenigstens annähernd gleich und damit vorhersehbar blieb. Eine logistische Meisterleistung, was dort geschafft wurde! Ich habe mir das in meiner Vorstellung manchmal ein bisschen so ausgemalt, als ob da jemand in seinem kleinen Häuschen voller Schalthebel sitzt und sagt: ‘Nun gebe ich mal euch ein paar Kubikliter und 2 Stunden später den anderen.’ – Natürlich ist es in Wirklichkeit viel komplexer als das.” – der technische Direktor des Hotel Elbresidenz
12,5 Millionen Euro mussten investiert werden, um das Hotel wieder in Betrieb zu nehmen. Etwa die Hälfte dieser Kosten übernahm die Fluthilfe des Freistaat Sachsen, doch noch einmal möchte man sich nicht auf solcherlei Hilfen verlassen müssen.
Die Orte in der Gegend haben zwei der letzten großen Flutkatastrophen in Deutschland mit vielen tief gerissenen Wunden überlebt – es sind Hilfsgelder geflossen und Versicherungssummen ausgezahlt worden, doch auch das hat seine Grenzen. Eine Versicherung versichert nicht mehr so einfach, was voraussichtlich wieder beschädigt wird und auch die Hilfsgelder haben ihre Limits irgendwann erreicht.
Wer lebt, wo ein Fluss über die Ufer tritt, muss ihn einplanen, statt ihn auszusperren
Der große Hotelkomplex, der aus zehn alten Gebäuden zusammengeschlossen wurde, ist seit 2014 in den Händen der Toskanaworld® Gruppe und wollte nie wieder so unvorbereitet wie 2013 von einer Flut überrascht werden. Denn, dass es wieder dazu kommen kann, stellt man im Ort Bad Schandau und den anderen Städten und Dörfern am Rande der Elbe gar nicht in Frage. Es zählt das wann und vor allem, wie man das Schlimmste verhindern kann.
Wir Menschen haben uns überall auf der Welt ausgebreitet, bevölkern Bergregionen, Dschungel, Wüsten und Wälder und leben so dicht an den Flüssen, dass diese zumeist ihre Auengebiete verloren haben, die von der Natur dazu dienen die regelmäßigen Überschwemmungen aufzufangen. Es ist also an den Menschen zu überlegen, wie sie ihre eigene Existenz mit dem natürlichen Lauf des Flusses in Einklang bringen. Und das ist viel leichter gesagt, als getan.
Nachgefragt & zugeschaut: Die Hochwasserschutzmaßnahmen des Hotel Elbresidenz
Wer sich dem Hotel Elbresidenz nähert bemerkt sie kaum, die unscheinbare Schiene, die rund um das Haus verläuft. Wie ein normaler Ablauf für Regen schaut sie aus und doch steckt viel mehr dahinter: Wenn das Wasser kommt verhindert sie den ersten überschwappenden Schwall indem hier eine Mauer aus einzelnen Elementen eingefügt wird, die – hoffentlich noch lange – im stillen Keller auf ihren Einsatz wartet. Die Rinne muss hierfür stetig sauber gehalten werden, denn nur wo alles perfekt passt, wird kaum Wasser hindurch dringen. Eines der wichtigsten Ziele ist es, im Falle einer Überschwemmung die schnell eindringenden Wassermassen zu verlangsamen um Zeit für das Leerräumen des Gebäudes zu haben.
Bei Hochwasser werden die überall eingelassenen abgedichteten Türen und Tore zugeklappt um ein Eindringen des Wassers in alle sensiblen Bereiche mit der Elektronik des Gebäudes zu verhindern. Die gesamte zentrale Versorgung des Hauses ist in einem fest verschließbaren Betonblock im ersten Stock gesichert, der außerhalb der Reichweite der normalen Fluten liegt.
Selbstschliessende Ventile an diversen Stellen im Gebäude sollen dafür sorgen, dass bei steigendem Wasserspiegel die Toiletten und Waschbecken nicht die Gästezimmer des Hotels fluten können. Die Hoffnung liegt darauf, dass im Ernstfall alles funktioniert. Natürlich kann man all das nicht sicher sagen, bis eben dieser Ernstfall auch wirklich eintritt, den sich niemand wünscht. Auch die Fahrstühle fahren bei eindringendem Wasser automatisch nach oben um die teure Technik zu schützen.
Die Kabel des Hotels sind an der Decke befestigt oder in Glas eingeschäumt, damit das Wasser ihnen nichts anhaben kann. Alle Möbel werden bei steigendem Wasser in die oberen Gebäudeteile geräumt und die Wandpaneele können von Hand abgebaut werden.
Nackter Beton, Glas und alle anderen Materialen, die nicht aufquellen und sich gut trockenen lassen verbleiben bei Hochwasser im Hotel – der Rest muss beweglich sein. Besonders die Küche ist hier wichtig.
Sie ist so ziemlich das teuerste, was der Flut zum Opfer fallen kann und muss deshalb beweglich bleiben. “Wenn es zur Flut kommt, können wir alle unsere Küchengeräte mit wenigen Handgriffen auseinander schrauben und auf Rollen über den nächsten Fahrstuhl nach oben in Sicherheit bringen. Länger als 24 Stunden darf das Ganze nicht dauern – dafür ist das Modulsystem extra entwickelt worden.” erzählt uns Herr Hausmann, der technische Direktor.
Sollte es zu einer weiteren Flut kommen, will das Hotel in 4-6 Wochen nach der Flut wieder eröffnen können. Die Taktik, den Fluss hereinzulassen, bis er von selbst wieder geht und dafür zu sorgen, dass er kaum Schaden anrichten kann, ist zukunftsweisend. Realistisch ist ein Umbau wie dieser aber natürlich nicht für jeden Privathaushalt, auch nicht für jedes Geschäft leistbar.
Ich fand das Gespräch mit Herrn Hausmann unglaublich spannend. Es ist meiner Ansicht nach wichtig, dass die Gedanken dazu angestoßen werden, nicht immer nur nach einer Katastrophe aufzuräumen. Wir sollten die Natur auf eine Weise einplanen, die ein friedliches und schadenfreies Zusammenleben mit ihr ermöglicht. Vielleicht ist es in Zukunft möglich, dass Gelder für solche Umbauten bereitstehen – auch für jene Privathaushalte, die in den Flusstälern liegen. Denn wo für Millionen aufgeräumt werden kann, macht es doch auch Sinn darüber nachzudenken, dieses Geld für eine passende Vorbereitung einzusetzen.


Gemütliche Spaziergänge und Leckeres Frühstück
Neben so viel Bedachtheit auf den Ernstfall habe ich das Hotel Elbresidenz als einen warmen Ort wahrgenommen, der mit leckerem Essen im Restaurant, einem wirklich fantastischen Frühstück und gemütlichen Zimmern mein Herz gewinnen konnte.
Bei der Größe des Hotels ist es eine gute Idee sich Zeit für eine Entdeckungstour zu nehmen, den kleinen Wellnessbereich zu besuchen, die Karl May Bibliothek zu durchstöbern und die Ausstellungsstücke und Gemälde an den Wänden in Ruhe zu betrachten. Ein absoluter Geheimtipp: Wer Lust hat im alten Gästebuch zu blättern, das die Eindrücke diverser prominenter Gäste verrät, der kann ja mal vorn am Empfang danach fragen – wenn ihr Glück habt, dürft ihr mal stöbern. 😉
Auch zu einem Besuch in der Toskanatherme aufzubrechen lohnt sich sehr. Mir hat das Klangbad gut gefallen, bei dem man auf dem Rücken schwebend mit den Ohren Unterwasser der Musik lauscht und von oben langsam wechselnde Farben auf das Wasser herab leuchten. Da wir in der Nebensaison da waren, hatten wir viel Ruhe für uns.
Ach die tollen Wanderstrecken und Spazierwege in der Nähe des Hotels lassen sich zu allen Jahreszeiten genießen. Hier gibt es viele Möglichkeiten Ausflüge zu beiden Seiten der Elbe zu unternehmen und die Felsen des Elbsandsteingebirges auf sich wirken zu lassen.
Wem dafür noch der passende Schuh, Rucksack oder ein Leihfahrrad fehlt, der kann sich zu Ausrüstung für die vielen Outdoormöglichkeiten vor Ort beraten lassen. Direkt vom Hotel aus lässt es sich wunderbar bei Wind und Wetter ins Aktiv Zentrum huschen um die Profis vor Ort mit Fragen löchern.
Organisierte Wander- und Klettertouren sowie alles was das Outdoorherz des Elbsandsteingebirge-Fans begehrt, findet ihr hier.
Schnappt euch einen Wandergefährten, oder zieht allein los und fahrt für gerade mal 1,80 Euro unbedingt mit dem historischen Personenaufzug zum Wanderweg nach oben. Von hier könnt ihr einfach mal loslaufen und euch im Wald im höher gelegenen Teil Bad Schandaus umsehen. Die Aussicht lohnt sich und allein die Fahrt mit dem Aufzug fanden wir einfach ein tolles und lohnenswertes Erlebnis.
Was ich unbedingt empfehlen kann, ist mit der Fähre von Bahnhof aus an- und abzureisen. Wo fährt man denn schonmal mit dem Schiff vom Zug aus zum Hotel? Eben! 😉 Allein die Aussicht von der Fähre ist es wert gemütlich des Weges zu schippern und dem Hotel nochmal ein fröhliches auf Wiedersehen zuzuwinken, bevor es zurück nach Hause geht.