In diesem Beitrag erzähle ich von meiner Reise in den Fischerort Torekov an der westlichen Ostseeküste von Südschweden. Ich verrate euch, was es mit dem Schrein der toten Schiffe auf sich hat, welcher Promi hier sein Haus kaufte, warum die Insel Hallands Välderö ein Paradies für Baumliebhaber, Flechtenfans und Käfersucher ist und erzähle von meiner Tour mit dem Motorboot vor den Steinstränden der Gegend. Außerdem erkläre ich euch, was Glamping bedeutet und warum man das in der Gegend um Torekov so gut machen kann.
Wer für einen Bericht über das freiseindesignische Lieblingsland Schweden unterwegs ist, dem wird definitiv nicht langweilig. Nach dem wunderschönen Kullaberg Nationalpark inklusive Wanderung im strömenden Regen, einer feuchtfröhlichen Kanufahrt mit Sternenhimmel, Schnitzunfall und Gegenwind und dem Mittelaltermarkt mit seinen tollen Kostümen, ging die Reise für uns ins Städtchen Torekov an der Westküste von Südschweden.
Torekov – Wo unzählige Schiffe zerschellten und Robben vor den Stränden schwimmen
Das Städtchen Torekov soll seinen Namen einer Legende nach dem Gott Thor zu Ehren erhalten haben und „Wald des Thor“ bedeuten. Der Seefahrerort in Schweden ist neben dieser Erzählung vor allem für seine gefährliche Schiffslage bekannt geworden. Um die 300 Schiffe fanden vor der Küste in Torekov ihr letztes Grab.
Der Schrein der toten Schiffe
Wer zum Hafen der Stadt spaziert, die gerade knapp über 1000 Einwohner zählt, entdeckt ein kleines gelbes Häuschen über dem die schwedische Flagge gehisst wurde. Von hier aus wurde damals gelotst um die Schiffe, die hier verkehrten auf den richtigen Weg in den Hafen zu führen. Nicht immer war das Lotsen erfolgreich. Etliche Schiffsteile finden sich heute im so genannten Schrein der toten Schiffe, der allein wegen der schieren Größe und Anzahl der Holzplanken mit den Schiffsnamen darauf sehenswert ist.
Torekov als Luftkurort im Süden von Schweden
Der Ort Torekov ist bei Touristen, die Ruhe und Entschleunigung durch die anregende Seeluft suchen, sehr beliebt. Auch die Reichen und Berühmten zieht es immer wieder in den unscheinbaren Ort, wo man bei stundenlangen Strandspaziergängen die Seele baumeln lassen kann. Der Schauspieler Hugh Grant fand es so schön in Torekov, dass er sich hier ein Haus kaufte und auch der ein oder andere Millionär ist hier am Meer anzutreffen, so munkelt man. Wir würden es in Deutschland wohl einen Luftkurort nennen – ein Städtchen, das zu langen Spaziergängen, Schwimmeinheiten im Meer und dem Lesen des ein oder anderen guten Buches einlädt. Wer sich für seinen Urlaub in Torekov ein Zimmer mieten möchte, der findet hier einen Platz zum Verweilen und frischen Meereswind, der um die Nase weht.
Mich hat Torekov an Warnemünde erinnert. Dieser Ort meiner Kindheit wird hier in schwedischer Form lebendig: Die kleinen Häuser mit den liebevoll gestalteten Türen und hübsch dekorierten Fenstern. Die Apfelbäume in den Gärten, die Beschaulichkeit der Ortschaft und das nur wenige Schritte entfernte Meer. Hier fällt es mir leicht, mich wie zu Hause zu fühlen.
Meine erste Beobachtung von Robben in Schweden
Nicht nur den Fischerdorf-Charme haben Warnemünde und der schwedische Ort gemein, auch Robben gibt es hier so einige – sie haben sich ein gemütliches zu Hause auf den unbewohnten kleinen Felseninseln vor der Küste geschaffen. Wer die tierischen Bewohner Torekovs entdecken will, der schnappt sich am besten ein starkes Fernglas oder bucht eine Motorboot-Tour, wie wir sie erleben durften. Die neugierigen Robben, die entdeckt man nämlich nur dann, wenn man ganz genau hinsieht:
Mit aufgeblähten Nasenlöchern und glänzend schwarzen Augen sieht sie mich an, die erste Robbe, die ich vor Torekov entdecke. In den schwappend wogenden Wellen wippt ihr nasser Körper hin und her und plötzlich verschwindet sie so schnell, wie sie kam und mein Blick sucht in der Leere nach ihr. Kurze Zeit später entdecke ich sie erneut – und wieder und wieder. Die Robbe taucht immer auf und ab, wechselt ihre Position, ist sich bewusst, dass sie angesehen wird und wirft neugierige Blicke zu unserem Boot herüber. Sie kennt die Prozedur der Touristen, kennt das Anstarren und Fotografiert werden und hält ihre ganz eigene Balance zwischen, Interesse und Abstand. – Meine erste Robbenbeobachtung in Torekov
Geheimtipp für Torekov: So badet ihr richtig
Wer in Torekov Urlaub machen möchte, der sollte unbedingt wissen, wie man hier richtig mit der Ostsee umgeht! Es schickt sich in dem kleinen Fischerort nämlich sehr, sich ein tägliches Morgenbad in den wogenden Fluten der Ostsee zu gönnen und danach im Bademantel die frischen Brötchen für ein gemütliches Frühstück zu holen.
Ganz wichtig ist dabei die richtige Einstellung: Ihr solltet auf die Frage nach dem Wasser niemals sagen, es sei kalt! Frisch, erfrischend oder belebend – so nennt man die eisige morgendliche Kneipp-Kur hier viel lieber beim Namen. 😉
Glamping in Schweden – Torekov ist ein beliebtes Ziel
Falls ihr gern mit dem aktuellen Urlaubstrend unterwegs seid, kann ich euch übrigens verraten, dass hier die moderne und bequemere Art des Campens, das so genannte Glamping sehr beliebt ist. Die Bedeutung von Glamping ist Glamourous Camping, also zu deutsch die luxuriösere Form von klassischem Camping. Es wird häufig mit dem Wandern von Ort zu Ort verbunden, bei dem das Gepäck mit Ausnahme eures Tagesrucksacks für euch zum nächsten Ziel der Reise transportiert wird.
Diese Variante des Campens ist besonders beliebt bei allen, die sich am Wandern im Urlaub und Wohnen in der Natur erfreuen, aber keine Lust oder Kraft haben, schweres Gepäck auf dem eigenen Rücken zu schleppen. Ob Glamping zum neuen Urlaubstrend 2018 wird? Ich denke, das könnte durchaus sein!
Filmkulisse und Naturtraum – Mit dem Motorboot vor der Westküste von Südschweden unterwegs
Wer in Südschweden unterwegs ist, der sollte unbedingt die westliche Ostseeküste des Landes kennen lernen. Vor Torekov ist das unter Segeln, mit dem Paddel in der Hand, schwimmend und natürlich mit dem Motorboot möglich. Letzteres haben wir live vor Ort mitgemacht und waren begeistert, was ganz sicher nicht zuletzt an meiner Liebe zu Motorbooten liegt.
Motorboot fahren ist schon seit ich Kind war eine Leidenschaft von mir. Schon früh reizte mich oft beim Segeltraining das Steuerrad das Trainermotorbootes mehr, als mein eigenes kleines Schiffchen und ich nutzte begeistert jede Gelegenheit das Fahren zu üben. Später, als ich selbst Trainerin wurde, blieb das Motorboot mir das liebste Fortbewegungsmittel, denn es bot mir eine Mischung aus Freiheit, Geschwindigkeit, Spaß und Draußen-Sein, die ich bis heute liebe. Ob ich selbst fahre oder nur mitfahre ist mir eigentlich nahezu egal. Solange der Wind um meine Ohren weht und salzige Meeresluft in meine Nase strömt bin ich einfach nur glücklich!
Beste Aussichten – Vom Wasser aus gibt es viel zu entdecken
Die Küstenlinie vor der Region rund um Torekov und die größere Stadt Båstad – ist rau und gesäumt von felsigen Stränden über denen grüne Busch- und Baumlandschaften thronen. Von der Wasserseite aus kann man die Gesamtheit der Landschaft viel schöner wahrnehmen, als es zu Fuß oder Fahrrad an Land möglich ist. Ein Ausflug solcher Art lohnt sich nicht nur für alle, die gern Fotografieren möchten, sondern auch für jene, die nur mit Herz und offenen Augen unterwegs sind:
Die Farben leuchten und die Ostsee schiebt sich Welle für Welle in einem endlosen Kreislauf in Richtung Land, als wollte sie die Felsen erklimmen. Seevögel schwingen sich auf und grüßen aus der Luft und das Salz, das man mit jedem Luftzug aufnimmt stärkt die Lungen und lässt den Atem frei fließen. Wer ganz genau hinsieht, der wird an den Stränden auch die ein oder andere Ziege entdecken – die Tiere haben sich an diesen steinigen Lebensraum angepasst.
Ein Tipp für Reisende zu Drehorten
Eine Besonderheit hält der Küstenabschnitt zwischen Torekov und Båstad für alle Kinofans und Liebhaber von Reisen zu Filmschauplätzen bereit: Hier findet ihr die berühmte Höhle aus dem schwedischen Drama Das siebente Siegel.
Wikipedia fasst den Film kurz so zusammen: „Ein von den Kreuzzügen heimkehrender, mit seinem Glauben ringender Ritter trifft auf den Tod, der ihm das Ende seiner Lebensspanne eröffnet. Der Ritter erwirkt einen Aufschub: Solange der Tod ihn nicht im Schachspiel geschlagen hat, darf er weiterleben.“
Auf Wanderschaft über die Insel Hallands Väderö
Die Insel Hallands Väderö, was so viel wie „Hallands Wetter-Insel“ bedeutet, gehört seit dem Jahre 1344 zu Torekov und ist mit der Fähre erreichbar. Das beliebte Schiff mit dem bauchigen blauen Holzrumpf nennt sich Nanny und transportiert euch für umgerechnet etwa 14 Euro auf das Eiland. Euren Hund könnt ihr übrigens kostenlos mitnehmen.
Einmal auf Hallands Väderö angekommen, lohnt es sich, einen langen Spaziergang einzuplanen. Die grünende Natur und die felsigen Ufer wollen entdeckt werden und natürlich ist es nahezu schon ein Muss, eine zünftige Fika, ein schwedisches Picknick auf der Insel abzuhalten. 😉 Hmmm!
Zu Fuß unterwegs auf Hallands Väderö
Wenn ihr den Wegen der Insel folgt, dann werdet ihr zwischendurch auch an der ein oder anderen Weide vorbei kommen. Wie in Schweden üblich, geht dort wo ein unverschlossenes Tor wartet die Wanderung frohen Fußes weiter, solange man jedes Tor gut wieder hinter sich verschließt, damit kein Tier von der Weide entlaufen kann.
Auf der Insel, die seit 1958 ein Naturschutzreservat ist, findet ihr euch leicht zurecht. Sie ist gerade mal 3,1 Quadratkilometer groß und auch wer gut darin ist, sich zu verlaufen, wird hier kaum verloren gehen. Hallands Väderö ist nicht dauerhaft besiedelt; Mitglieder der Kirche in Schweden haben aber die Möglichkeit, hier kleine Häuschen für ein paar Tage zu beziehen. Wenn ihr eine Unterkunft in der Nähe von Hallands Väderö sucht, dann solltet ihr euch einfach ein Zimmer in Torekov mieten und eine Tagestour auf die Insel planen.
Von Piraten, Schafen und matschigen Wanderschuhen
Auf Hallands Väderö soll es schon seit der Bronzezeit (etwa 2200-800 vor Christus) Weideflächen geben. Die Viehhaltung hier hat eine lange Tradition, denn auf der Insel gibt es keine großen Raubtiere, die eine Gefahr für Schafe und Rinder darstellen.Allerdings gab es hier in der Gegend einmal einen bösen Piraten namens Peder Vuuessel, der mit seiner Mannschaft auf der Insel einfiel und allen Tieren den Gar aus machte. Ihr fragt euch, wie die Tiere eigentlich auf die Insel kamen? Na dreimal dürft ihr raten: Mit dem Schiff! Ob so ein Schaf wohl auch unter Seekrankheit leidet?
Wer Lust auf Käferbeobachtung in Schweden hat oder sich für die vielen Arten der heimischen Flechten interessiert ist auf Hallands Väderö übrigens auch an der richtigen Adresse. Dadurch, dass der natürliche Waldbestand der Insel nie vollständig gerodet wurde, wie an vielen anderen Orten, gibt es hier eine rege Naturvielfalt.
Noch in Tipp zum Wandern: Wer Lust auf eine tolle Wanderung auf Hallands Väderö hat, der sollte unbedingt für matschfestes Schuhwerk sorgen. Die Pfützen im Wald sind ganz schön tief und der Morast will den eigenen Fuß am liebsten ganz für sich behalten. Mit Wanderstiefeln ist man hier auf der sicheren Seite und kann unbeschwert auch die Waldwege genießen und nach Herzenslust die Flora und Faune auf der südschwedischen Insel erkunden.
Neben dem artenreichen Wald bietet die Insel auch jede Menge wunderschöne Strände und felsige Küstengebiete, die es sich zu entdecken lohnt. Wer seine Insel-Tour planen möchte, der kann sich diese Karte von Hallands Väderö zum Wandern zur Hilfe nehmen.
Mit dem Fahrrad geht’s an der Küste entlang – Wir lassen Torekov hinter uns
Es nahte bald das Ende meines erlebnisreichen Tages, der mir neben Heimatgefühlen in Torekov und strahlendem Sonnenschein auf Hallands Väderö auch eine tolle Motorbootsfahrt bescherte. Um dem Erlebnis noch einen angemessen sportlichen Schluss zu verpassen, ging es für unsere ganze Truppe aufs Fahrrad und wir radelten an der Westküste von Südschweden entlang um der Natur ein letztes Mal zu winken bevor wir dem Tag auf Wiedersehen sagen würden.
An der Ostseeküste von Schweden gibt es nicht nur großartige Fahrradstrecken, sondern auch jede Menge tolle Fotomotive zu sehen. Hier wächst das Grün bis fast ins Meer und die steinigen Strände laden zum Pausieren und Spazieren ein. Das Ufer ist immer wieder gesäumt von kleinen und großen Felsen und Steinansammlungen, die Seevögeln als Pausenplatz dienen.
Wer Torekov, Hallands Väderö und die Küste im Westen von Südschweden besuchen möchte, der kann sich auf eine Zeit voll guter Luft und schöner Natur gefasst machen.